Zum Inhalt springen

WISSEN FÜR DIE PRAXIS

TPU im 3D-Druck: Flexible Bauteile richtig planen.

Nachgiebig, griffig und vielseitig: TPU eröffnet Möglichkeiten für flexible Bauteile. Entscheidend sind die passende Materialsorte, die Konstruktion und ein aufeinander abgestimmter Druckprozess.

Rote Bälle mit offener Gitterstruktur als Beispiel für flexible TPU-Bauteile.
Foto von Nigel Hoare auf Unsplash
Inhalt dieses Beitrags

DAS WICHTIGSTE ZUERST

  • TPU bezeichnet thermoplastische Polyurethane. Die Eigenschaften unterscheiden sich je nach konkreter Materialsorte.
  • Shore-Härte beschreibt die Materialhärte. Wie flexibel sich das gedruckte Teil verhält, hängt auch von Geometrie, Wandstärken und Druckaufbau ab.
  • Funktion, Umgebung und Belastung bestimmen die Auswahl. Ein gedrucktes Muster hilft, das Verhalten für Ihre Anwendung zu prüfen.

Was TPU auszeichnet.

Thermoplastische Polyurethane gehören zu den thermoplastischen Elastomeren. Sie lassen sich thermoplastisch verarbeiten und können elastisch nachgeben. Je nach Sorte kommen sie für flexible Griffe, Schutzabdeckungen, Führungen oder funktionale Prototypen infrage.

Abriebfestigkeit, Rückstellverhalten und Beständigkeit sind keine einheitlichen TPU-Werte. Wählen Sie ein konkretes Produkt und prüfen Sie dessen Datenblatt. Besonders bei Öl, Reinigungsmitteln, Feuchtigkeit und erhöhter Temperatur sind das Medium, die Einwirkdauer und die Belastung entscheidend.

Shore-Härte und Bauteilflexibilität unterscheiden.

Die Shore-Härte beschreibt den Widerstand des Materials gegen das Eindringen eines definierten Prüfkörpers. Die Angabe braucht immer die zugehörige Skala, etwa Shore A. Ein Materialname wie TPU 95A hilft bei der Vorauswahl, beschreibt aber nicht das gesamte Verhalten Ihres Bauteils.

Ein dünner Steg gibt anders nach als ein massiver Block aus demselben Material. Wandstärken, Innenstruktur und Orientierung verändern das Verhalten. Das UltiMaker-Datenblatt zu TPU 95A zeigt zudem, dass Kennwerte gedruckter Proben von deren Orientierung abhängen.

  • Wie weit darf sich das Bauteil unter welcher Kraft verformen?
  • Muss es nach der Entlastung in seine Ausgangsform zurückkehren?
  • Wie oft wiederholt sich die Belastung?
  • Welche Kontaktflächen und Einbaubedingungen sind relevant?

Von der Anwendung zur Anforderung

Diese Beispiele helfen bei der Beschreibung Ihres Vorhabens. Die Eignung muss für das konkrete Material und Bauteil geprüft werden.

Die Tabelle lässt sich seitlich scrollen.

Von der Anwendung zur Anforderung
AnwendungVorab klärenAm Muster prüfen
Griff oder KontaktflächeBenötigte Griffigkeit, Reinigungsmittel und Hautkontakt.Haptik, Halt und Reinigung unter realen Bedingungen.
Schutzkappe oder AbdeckungPassung, Montageweg und zu schützende Oberfläche.Sitz, wiederholte Montage und lokale Verformung.
Nachgiebiges AuflageelementLast, Verformungsweg und Belastungsdauer.Verhalten unter Last und nach der Entlastung.
Flexibler PrototypBewegungsbereich, Biegeradius und Wiederholungen.Biegeverhalten, Verschleiß und mögliche Schwachstellen.

Flexible Funktionen gezielt konstruieren.

Planen Sie Einspannungen, Übergänge und belastete Bereiche bewusst. Beschreiben Sie, wo das Teil nachgeben soll und wo Maßhaltigkeit oder ein sicherer Sitz nötig sind. Das erleichtert die Abstimmung von Geometrie, Material und Fertigung.

Für die Bemusterung sollten die funktionsrelevanten Merkmale erhalten bleiben. Ein einfacher Materialwürfel beantwortet beispielsweise kaum, ob ein dünner, wiederholt gebogener Bereich im späteren Bauteil funktioniert. Legen Sie dafür passende Prüfungen am Bauteil fest.

Druckeinstellungen brauchen ein Materialprofil.

Flexible Filamente stellen besondere Anforderungen an die Filamentführung. Ein direkter Antrieb kann die Verarbeitung erleichtern; entscheidend bleiben jedoch die freigegebene Kombination aus Drucker, Zuführung, Material und Profil. Eine Bowden-Zuführung schließt TPU nicht grundsätzlich aus.

Nutzen Sie die Empfehlungen des jeweiligen Material- und Druckerherstellers als Ausgangspunkt. Düsentemperatur, Druckgeschwindigkeit, Rückzug und Bauplattenvorbereitung lassen sich nicht für alle TPU-Sorten einheitlich festlegen. Eine Verarbeitungstemperatur ist außerdem nicht mit dem Schmelzpunkt des Materials gleichzusetzen.

TPU kann Feuchtigkeit aufnehmen. Lagerung und gegebenenfalls Trocknung müssen deshalb zum Produkt passen. Feuchtes Filament kann die Extrusion und Oberfläche beeinträchtigen. Übernehmen Sie Trocknungszeit und Temperatur aus den Herstellerangaben, statt eine allgemeine Ofeneinstellung zu verwenden.

Beständigkeit und Eignung nachweisen.

Eine flexible Materialprobe ist noch kein Nachweis für eine Dichtfunktion, einen sicherheitsrelevanten Einsatz oder eine bestimmte chemische Beständigkeit. Prüfen Sie die konkrete TPU-Sorte mit Blick auf Umgebung, Belastung und erforderliche Nachweise.

Hersteller können bestimmte Anwendungen ausschließen. So nennt das verlinkte UltiMaker-Datenblatt unter anderem Einschränkungen für Lebensmittelkontakt, In-vivo-Anwendungen und dauerhafte UV- oder Feuchtigkeitseinwirkung. Das ist eine produktspezifische Angabe und keine Aussage über alle TPU-Materialien.

Diese Angaben helfen bei Ihrer Anfrage.

Senden Sie eine Zeichnung oder CAD-Datei und beschreiben Sie, welche Funktion das flexible Teil erfüllen soll. Wenn Sie noch kein bestimmtes Material festgelegt haben, sind die gewünschten Eigenschaften der bessere Ausgangspunkt.

  • Einbausituation, Abmessungen und Kontaktflächen.
  • Kraft, gewünschte Verformung und Belastungszyklen.
  • Temperatur, Medienkontakt und Umgebungsbedingungen.
  • Stückzahl, benötigter Termin sowie erforderliche Prüfungen oder Freigaben.
Unser aktuelles Technologie- und Materialangebot

Quellen & weiterführende Informationen

Fachliche Einordnung und Originalinformationen. Für konkrete Bauteile sind die jeweiligen Anforderungen, Materialdaten und Prozessbedingungen maßgeblich.

VOM WISSEN ZUM BAUTEIL

Ihr Bauteil soll flexibel sein?

Beschreiben Sie Funktion, Belastung und Einsatzumgebung. Wir prüfen, ob Verfahren und Material aus unserem Angebot zu Ihren Anforderungen passen.

Vorhaben anfragen Technologien vergleichen

WEITERLESEN

Wissen, das weiterhilft.

Flammhemmende Materialien: Worauf es ankommt 3D-Druck für KMU: Wo Mehrwert entstehen kann
← Alle Beiträge ansehen